Vom Sinn des Lebens

Der Mensch ist ein unfertiges Wesen. Ein Baby kann zunächst gar nichts. Auch der Sinn des Lebens ist zunächst nicht gegeben. Jeder steht vor der Aufgabe seinem Leben selber Sinn zu geben. (Oder den Sinn von seiner Umwelt zu übernehmen - aber das ist dann oft nicht sein Sinn.) Die Belohnung dafür, dass man seinem eigenen Wesen gemäss lebt ist Glück.

Masse und Bedeutung.

Die Masse ist am Lebensanfang da, die Bedeutung müssen wir selbst setzen - denn wir sind geistige Wesen, keine biologischen Maschinen. Ein Kleid, wenn neu gekauft hat eine hohe Bedeutung für die Käuferin. Die gleiche Materie aber wird nach zwei Jahren ohne Wert für sie sein. Was ist hier geschehen? Die Bedeutung hat sich geändert, die Masse ist immer die gleiche geblieben.

Unsere Aufgabe ist es also das Kleid unseres Lebens mit neuen Farben zu erfüllen und dem Leben einen Sinn zu geben - unseren Sinn.

Was muss man dazu tun? Man muss seinen eigenen, wahren, inneren Willen entdecken. Tu was DU willst.

Das scheint zuerst jeder Hemmungslosigkeit die Tür zu öffnen. Aber es heisst was DU willst. Weist Du wer Du bist? Was DU willst? Das eigene Ich, der wahre innere Wille, das eigene Gewissen spricht bei den meisten Menschen nicht mehr - denn es kann nur in der Stille sprechen. Menschen wollen sich lieber zerstreuen, statt sich auf diese innere Stimme zu konzentrieren. Ein Leben lang hat die Umwelt für einen Menschen die Dinge und Verhältnisse bewertet. Wie soll er jetzt auf einmal fähig sein selbst zu bewerten was für ihn gut ist? So KANN er zunächst gar nicht tun, was ER will. Meistens strebt er nur nachdem was seine Umgebung für gut und erstrebenswert ansieht. Der Mensch kennt seinen wahren Willen zunächst gar nicht.

Tu was DU willst. Aber das geht so nicht, weil es an Wissen und Können fehlt.

Wissen.

Jeder Mensch hat ein Bild von der Welt - das sich erweitert wenn er neues Wissen erwirbt. Das Bild ist nicht die Welt. Die Welt ist die Masse, das Bild die Bedeutung. Von dem Bild das wir von der Welt und uns selber haben hängt es ab, ob uns die Welt sinnvoll erscheint oder nicht.

Unsere Vorstellungen von der Welt sind wie eine Brille durch die wir die Welt sehen. Ist die Brille rosarot, erscheint die Welt rosarot. Nimmt man eine andere Brille sieht man die Welt in einer anderen Bedeutung. Von der Brille, nicht von der Welt hängt es ab, ob wir glücklich sind oder nicht und es liegt in unserer Hand die Brille zu wechseln.

Mit Hilfe unseres mehr oder weniger geeigneten Weltbildes berechnen wir die Wege um unsere Ziele zu erreichen. Wenn aber das Bild das wir von der Welt haben wesentliche Fehler enthält oder wichtige Dinge auslässt, so kann auch der Weg den wir für den richtigen halten um unser Ziel zu erreichen nicht dorthin führen oder er wird schwieriger sein als es nötig wäre. Auch die genaueste Berechnung führt zu einem falschen Ergebnis, wenn die Ausgangsdaten nicht stimmen. Ein falsches Weltbild führt zu falschem Verhalten und produziert so Unglück, Unzufriedenheit und Probleme.

Richtigeres Verhalten, grösseres Glück und Zufriedenheit setzt ein richtigeres Weltbild voraus. Absolute Werte sind nie erreichbar - aber man kann sich ihnen immer mehr nähern. (So kann man auch nie ein absolut richtiges Weltbild die reine Wahrheit - haben, aber man kann sein Weltbild stetig und immer wieder verbessern.)

Es gibt gewisse Grundtatsachen des Lebens die in unserer Zivilisation unterbewertet werden. Bezieht man sie in sein Leben ein, so bekommt das Leben mehr Sinn. Es gibt aber Hindernisse, die man kennen muss, wenn man seine Sicht der Welt ändern will.

1. Falsche Voraussetzungen.

Wenn man z.B. überzeugt ist, dass es nichts zu lernen gibt, was wirklich wissenswert für einem selber ist, wird man sich auch nicht bemühen. Zuerst also braucht man (wie für jede neue Unternehmung) die Überzeugung, dass ein Mehr, ein Weiter, ein Schöner, ein Glücklicher möglich ist. Man muss sicher sein, das Richtige zu tun, denn ohne äusseren Zwang und äussere Notwendigkerit kann man auf Dauer nur eine Sache tun von der man wirklich innerlich überzeugt ist.

2. Widrige Unmwelt.

Wenn man damit beginnt nach dem Sinn des eigenen Lebens zu suchen steht man meistens noch völlig unter dem Einfluss der bisherigen Umgebung, durch viele Pflichten und Rücksichtnahmen gebunden. Ohne sich von der öffentlichen Meinung, der grossen Massensuggestion zu lösen wird es schwierig auf das Eigene zu horchen und noch schwieriger es in seinem Leben zu verwirklichen.

Solange man absichtslos in den Tag hineinlebt, werden begrenzende Überzeugungen nicht aktiviert. Setzt man sich aber wertvolle Ziele, so stimuliert man alle Hemmungen die man in früheren Leben erworben hat und bekommt Schwierigkeiten

3. Torbogen.

Ein Weltbild ist wie ein gemauerter Torbogen. Ein Stein, ein Datum stützt das andere. Zieht man auch nur einen Stein heraus verliert alles seinen Halt. Der Forscher im eigenen Inneren hält am Anfang meist nur einige Steine in seiner Hand, so kann sein Torbogen noch nicht halten. Der Torbogen der öffentlichen Meinung dagegen, den er aus seiner Umgebung übernommen hat scheint anfangs sehr stabil. So führen die ersten Versuche sein eigenes Weltbild aufzubauen zuerst zu nicht viel. Anfangs, oft jahrelang muss man auf seine innere Überzeugung hören, dass der eingeschlagenen Weg richtig ist - auch wenn das im Gegensatz zum bisherigen steht.

4. Angleichung / Resonanz.

Man versteht nur das, dem man wesensmässig gleicht. Deswegen ist Angleichung an das Erwünschte notwendig. Diese Angleichung ist nur schrittweise möglich. Man kann nur von dort weitergehen, wo man momentan steht. Nicht von dort, wo man vielleicht stehen möchte oder stehen wird.

Stell Dir einen Raum mit lauter verschieden gestimmten Stimmgabeln vor. Mit einer weiteren Stimmgabel in der Hand gehen wir dort hinein. Wir versetzen die Stimmgabel in der Hand in Schwingung. Nun werden bloss diejenigen Stimmgabeln im Raum in eine eigene Schwingung geraten, die die gleiche Frequenz haben, die also an die Stimmgabel in der Hand angeglichen sind. Und wie bei Stimmgabeln verhält es sich auch bei Menschen.

5. Schuldgefühle.

Schuldgefühle können ein Hindernis sein, sind aber sinnlos, weil wir nicht nach Schuld sondern nur nach Ursachen suchen.

Ausgangspunkt.

Wenn also unser Bild der Welt bestimmt wie wir uns fühlen, so gilt es dieses zu untersuchen. Dabei stellt sich als erste Frage was wir als Ausgangspunkt nehmen wollen.

Und der Ausgangspunkt sollte nicht an der Oberfläche gewählt werden, sondern möglichst tief am Fundament ansetzen.

Gehen wir einmal von folgenden Fragen aus:


1. Wer bin ich eigentlich?
2. Wo komme ich her, wo gehe ich hin?

Natürlich fallen uns dazu gleich Antworten ein. Aber halt! Sind das wirklich unsere eigenen Antworten, oder sind es übernommene Antworten? Übernommen, ohne gross über ihre Richtigkeit nachzudenken, ohne Alternativen zu kennen. Und wenn wir Alternativen haben, welche davon wird die richtige sein? Wie kann man erkennen was richtig und wahr ist? Gibt es Kriterien dafür ?

Auch hier müssen wir irgendwie beginnen, also nehmen wir einmal an:

1.Die Wahrheit einer Behauptung kann daran erkannt werden, dass ihre Annahme die Menschen zu einem erweiterten, freierem, erfüllteren, befriedigenderen Leben führen muss. (Wäre die Natur anders eingerichtet, wäre es nicht sehr sinnvoll nach Wahrheit zu streben). (Dabei kann die Natur natürlich nicht auf unsere kleinlichen Empfindlichkeiten, aberirrten Gefühle und unseren beschränkten Horizont Rücksicht nehmen.)

2, Die Wahrheit muss anwendbar sein, praktische Konsequenzen im Leben haben. Ihre Anwendung führt zu erwünschten Ergebnissen.

3. Wahrheit ist keine Theorie alleine, sondern ein Prozess in dem sich Erkennender und Erkanntes schrittweise an die Wahrheit immer mehr angleichen - ohne sie wohl je ganz zu erreichen. Angleichung an die Wahrheit ist nur schrittweise möglich.