Kali-Yuga und die Veden.

Im Internet findet sich ein Buch zum Herunterladen mit dem Titel "Zur Wahrheit" , von Rudi

Adresse: zurwahrheit.de (natürlich mit drei w am Anfang)

Meine Antwort an Rudi war wie folgt:


Lieber Rudi,

WENN ich Dich richtig verstanden habe ist es also so, dass...

das Kali Yuga noch 227 000 Jahre dauern wird in denen sich die Negativität weiter verstärken wird. Wir können da nichts dagegen machen, da wir keinen freien Willen haben und alles durch die Gunas bestimmt wird. Einen Ausweg gibt es zwar indem man Hare Krishna chantet, aber das funktioniert nach Deiner Meinung auch nicht so besonders und nur dann wenn es das Kosmische Programm vorschreibt. Bleibt also nur übrig den Kopf einzuziehen und nicht zu handeln. Gott existiert als Person, aber hat auch einen bösen Anteil, den er an uns auslebt, um ihn nicht selber erfahren zu müssen.

Ein schönes Weltmodell hast Du Dir da zurechgebastelt.

Im ersten Teil schreibst Du meiner Meinung nach ganz richtig, dass die Mächtigen Religion immer dazu verwendet haben uns zu manipulieren. Sie gehen dabei so vor, dass sie einen grossen Teil Wahrheit nehmen, (den Köder) und ihm ein kleines Teil Gift beimischen (den Haken) , was bewirkt, dass die versprochene Wirkung eben nicht erreicht wird, und man nach einer ganzen Reihe erfolgloser Versuche die ganze Sache aufgibt.

Warum wendest Du diese Erkenntnis nicht auch auf die Veden an ???

Auch da werden grosse Erkenntnisse dargeboten. Aber auch da (wie in allen Heiligen Büchern) gibt es den Haken.. Einen hast Du ganz richtig erkennt. Die Liebe fehlt.

Ein anderer ist meiner Meinung nach , dass durch den ganzen Stil dieser Schriften eine geradezu sklavische Abhängigkeit von "Göttern" und damit Passivität erzeugt wird.

Jede Eigenverantwortung wird dem Menschen abgesprochen.

Gab es nicht auch damals die "Götter" die die einfachen Menschen in Abhängigkeit halten wollten und ihnen deshalb eine geeignete Religion verpassten?

Du entgegnest vielleicht, dass damals als die Veden geschrieben wurden, das Kali Yuga noch nicht begonnen und deswegen die Herrschaft der Asuras (negativen Mächte) noch nicht so dominierend war.

Aber woher wissen wir das? Doch eben auch aus diesen Veden. Und zu einer guten Mythologie gehört auch deren Legitimation.

Letztenendes läuft es doch wieder auf Glauben, hier also an die Veden, hinaus.

Damit will sich diese Schriften in keiner Weise abwerten. Man kann grosse Wahrheiten in ihnen finden. Aber die unwissende Seele schluckt neben dem Nektar eben auch den Haken und bleibt, wie von oben gewünscht, daran hängen.

Du verwendest das Beispiel der Palmblattbibliotheken um daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass alles bereits vorbestimmt sei und wir deswegen keinen freien Willen hätten.

Wenn die Rishis vor tausenden von Jahren schon wussten, was die Lebensverhältnisse eines einzelnen Menschen, in denen dieser heute lebt, sind dann müssen diese vorprogrammiert sein. Du kommst ferner zu dem Schluss, dass die Gegenwart nichts, Vergangenheit und Zunft alles wären.

Ich denke es ist umgekehrt,. Die ewige Gegenwart ist alles was wir haben. Und in dieser Gegenwart konstruieren wir uns unsere Vergangenheit, ebenso wie unsere Zukunft .

Die Vergangenheit ist also sozusagen eine Rückrechnung aus der Gegenwart, entsprechend unseren gegenwärtigen Absichten, Glaubensüberzeugungen, Postulaten etc.

Wenn das nun so ist, dann sind auch die scheinbar aus der Vergangenheit stammenden Aussagen wie Palmblattweisasagungen eben nur unsere eigenen, sozusagen nach aussen projizierten Meinungen, Betrachtungen etc.

Das mag zuerst schwer verständlich sein. Deswegen noch folgender Gedanke:

In der Bibel steht der Satz, dass Gott den Menschen "sich zum Bilde" schuf.

Wie oben so unten. Damit ist nun sicher nicht gemeint, dass Gott einen Körper hat, weil wir einen haben. Das wäre Materialismus. Sondern, wenn die herausragende Eigenschaft Gottes seine Schöpferkraft ist, dann gilt dass auch für uns. Wir sind der Schöpfer unserer persönlichen Realität. Wir haben eine freien Willen, denn Gott erschafft keine Sklaven.

(Aber Sklaven können sich nur einen Herrscher/Unterdrücker als Gott vorstellen - eine Projektion ihres Weltbildes nach aussen)

Die Welt in der jeder einzelne lebt ist seine persönliche Kreation, durch seinen Willen und seine Absichten erschaffen. Die Gemeinsamkeit des Erlebens (diese materielle Welt) entsteht, weil man das von jedem persönlich Erschaffene oft von anderen kopiert hat.

Dann gab es aber schon immer die Manipulateure mit ihren "Heiligen Schriften". Sie wurden als heilig erklärt, damit es niemand wagen sollte an ihnen zu zweifeln, selber zu denken, und vor allem sich nicht anderswo umsehen sollte, um Alternativen zu finden..

Und wenn es den Manipulateuren gelang die unerfahrene Seele zu ihrem Glauben zu bekehren , so kreierte sie für sich unwissentlich genau die von den Manipulatueren erwünschte Wirklichkeit und damit ihre eigenen Abhängigkeit.

Für die Manipulatuere war dabei nur nachteilig, dass sie immer einen guten Teil der Wahrheit preisgeben mussten, denn nur mit Speck fängt man Mäuse. Und nur deswegen sind in allen Heiligen Schriften und auch philosophischen Werken mehr oder weniger bedeutende Wahrheiten enthalten, die zu wissen es sich SEHR lohnt.

Aber man muss deren Aussagen in ihre Bestandteile zerlegen und einzeln prüfen. "Solve et coagula" war der Wahlspruch der Alchemisten. Wenn vieles stimmt muss nicht alles stimmen.

Und die Unreinheiten müssen entfernt werden. das aber setzt voraus, dass man sie erkennt, was mit zunehmendem Reifegrad einer Seele immer besser gelingt und sehr von eigenen Anstrengungen und damit Eigenverantwortung abhängt.

Wenn man aber den Wert eigener Bemühungen abwertet und alles "dem Kosmischen Programm" überlässt, dann allerdings... dann hat man sich in ein mentales Gefängnis eingesperrt. Und selbstverständlich gibt es dieses Gefängnis, das uns die Veden schildern, genauso wie es einen katholischen und einen mohamedanischen Himmel, neben zahlreichen anderen gibt.

Denn die totale Freiheit die uns Gott seinem Bilde von sich entsprechend, gegeben hat erlaubt uns jede "Realität" (für den erlebenden Realität) zu erleben.

Was du entscheidest wird zum Gesetz für dich.

Wo dein Bewusstsein ist, da BIST du.

Bleibt noch die Frage, warum es denn soviel Leid, Ungerechtigkeit etc. auf dieser Welt gibt.

In der Bibel steht das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Sohn geht vom Vater (Gott) weg in die Fremde (Materie, Illusionen) um dort seine Erfahrungen zu machen und kehrt danach wieder zum Vater zurück.

Warum wohl geht dieser Sohn in die Fremde?

Er will etwas erleben, auf eigenen Füssen stehen, etwas erkunden, er will sein Bewusstsein expandieren

Das schliesst die MÖGLICHKEIT negativer Erfahrungen mit ein.

Denn gerade negative Erfahrungen sind es, an denen man notgedrungen am meisten lernt. Das kann man auch an der vedischen Kosmologie erkennen. In den oberen Welten, Himmeln geht es den Seelen gut. Es besteht wenig Notwendigkeit etwas zu lernen.. Die grössten Chancen herauszukommen hat man da, wo die schlimmsten Verhältnisse sind, also in der untersten Welt. Deswegen sollte auch das Kali Yuga das Zeitalter sein indem der Aufstieg in die Gottwelten am ehesten möglich ist.

Manche Seelen wollen es auf die sanfte Tour lernen, manche ziehen einen harten Weg vor. Beides ist in Ordnung. Gott mischt sich da nicht ein, ja er kennt diese Probleme garnicht, da sie in seinen Augen Nicht-Wirklichkeit sind. Es sind unsere Kreationen, unsere Illusionen, unsere verwirklichten Träume. WIR haben uns entschieden diese Träume zu träumen.

Das ist unglaublich, höre ich sagen. Warum sollte eine Seele freiwillig in negative Erfahrungen gehen? Warum aber gehen Leute freiwillig in Kinovorstellungen in denen Menschen ermordet, gefoltert, betrogen etc. werden?

Erstens weil sie es spannend finden, etwas erleben wollen. Und zweitens weil ihnen als Zuschauer ja nichts passieren kann. Das gleiche gilt für die Seele. Die ist unsterblich, der kann nichts passieren. Aber sie liebt es Erfahrungen zu machen etwas zu erleben, ein Spiel zu spielen. Und wie der Zuschauer im Kino vergessen kann, dass er im Kino sitzt und echt mit dem Helden leiden kann, so kann auch die Seele vergessen wer sie ist (und die Mächtigen tun alles damit das geschieht) und leiden.

Das Böse ist in dem Masse Wirklichkeit wie man es in die eigene Realität hinein nimmt.

Wir können nur das erleben, was wir glauben.

Der Teufel steckt nur in unseren Überzeugungen und wenn diese entsprechend sind, projizieren wir das was wir innen haben nach aussen.. Dann erleben wir den Teufel, oder das Böse.

Die Welt in der ein Mensch lebt ist der Spiegel seiner Betrachtungen, tiefsten Überzeugungen. Und wenn er mit einem Weltbild wie dem der Vedischen Götter übereinstimmt, dann WIRD das zu seiner Wirklichkeit. Und das ist keine erstrebenswerte Wirklichkeit, sondern ein riesiges mentales Gefängnis..

Nun wird man mir aus vedischer Sicht vorwerfen, dass ich hier wie ein Asura argumentiere.

Aber das stimmt nicht. Ich erkenne, dass Gott Liebe, Weisheit und Macht ist.

Das DIES die einzigen göttlichen Attribute sind.

Und nicht Reichtum, Ruhm, Entsagung etc. wie es in den Veden steht.

(Und ich kann mir keinen Gott vorstellen, der etwas Geringeres als sich selbst erschafft.)

Ich erkenne die Macht der Liebe und will nur MEIN Leben kontrollieren können, nicht das anderer Menschen. Und ich sehe als höchstes Ziel die Vereinigung mit Gott. Ich sehe alles das was in dieser Welt erreichbar ist als Illusion, als Übergang an, weil mir anderes noch nicht möglich ist. Aber ich wehre mich dagegen als willenloses Werkzeug einer höheren Macht angesehen zu werden, der ich in Demut zu dienen habe, weil diese es so beschlossen hat ohne mich zu fragen. Das ist nicht mein Gott. Und ich lasse mir diese Stiefel nicht anziehen, auch wenn sie von angesehenen Autoritäten kommen.

Und warum? Weil Übereinstimmung mit etwas eine Realität erschafft in der man dann leben muss.

Wer mit diesen Göttern übereinstimmt unterwirft sich ihnen.

Und deswegen prüfet alles und nur das Beste behaltet. Und ist dieses Weltbild das Beste?

Nun das Urteil darüber hängt davon ab, was man vorher gekannt hat. Für den Uninformierten mag die Detailfülle der Veden überwältigend und damit überzeugend sein. Aber ich kann nur raten, wenn einem die Frage wichtig genug ist, auch andere Glaubensysteme zu prüfen. Nur im Vergleich vieler Richtungen kann man erkennen, wo die Haken verborgen sind.

Jeder von uns trägt alle Weisheit Gottes in sich, er braucht deswegen Schriften nur, um sich an etwas zu erinnern, was er eigentlich schon weiss. Wenn diese innere Zustimmung fehlt ist man - möglicher weise nur momentan - auf dem falschen Weg.

Du ,liebe Seele, entscheide selber ! Lass Dir Deine Eigenverantwortung nicht nehmen. Pfeiffe auf alle Autoritäten, aber höre Dir an, was sie zu sagen haben, es könnte etwas dabei sein was für DICH wichtig ist. Das andere vergiss ohne dich schuldig zu fühlen. (Schuld ist wirklich nur ein Manipulationsmechanismus)

Und wenn wir die Freiheit haben unser Leben zu träumen, so wie wir wollen, warum träumen wir dann nicht aus diesem Traum aufwachen zu wollen?

Denn wenn wir aufwachen sind wir wieder zuhause, da wo wir immer waren..

In diesem Sinne grüsse ich Dich lieber Rudi, dem ich für Deinen Artikel hier nochmals danken möchte, und wünsche Dir und allen anderen Lesern viel LIEBE; WEISHEIT und MACHT: