Was ist das Ego?

Da liegt ein Stein in zwei Meter Entfernung. Wenn ich etwas mit dem Stein machen will muss ich mich zu ihm hinbewegen. Warum ist das so, wenn der Stein ebenso wie mein Körper nur Ideen in meinem Geiste sind? Denn dort nehmen sie ja keinen getrennten "Ort" ein.

Das ist so, weil ich auch die Idee erschaffen habe, dass es möglich ist meinen Körper zu einem anderen vorgestellten Ort zu bewegen und dort etwas zu bewirken, was auf Distanz direkt nicht möglich sein soll.

Umgekehrt herum, warum aber kann der Stein nicht zu mir kommen?

Weil ich ebenfalls die Idee erschaffen habe, dass ich keinen direkten Einfluss auf etwas ausserhalb von mir habe, "ich" kann es nur verändern, wenn ich mich dorthin bewege.

Also trenne ich meine Welt in Dinge die ich direkt bewegen kann und nenne sie Ich/Innenwelt und Dinge die ich nur indirekt bewegen kann und nennen sie Nicht-Ich/Aussenwelt.

Dadurch entsteht eine Polarität und damit eine Grenze zwischen Innen/Aussen.

Wenn ich aber erkenne, dass ich auch meine Aussenwelt erschaffen habe und dass diese Grenze künstlich ist kann ich die Nicht-Ich/ Aussenwelt in meine Ich/Innenwelt integrieren.

Dann ist alles Ich.

Das aber wieder bedeutet, dass ich über alles Innen wie Aussen wieder die Kontrolle zurückgewonnen habe.
Da der Stein auch Ich ist, kann der Stein dann auch zu mir kommen.

Was ist nun das Ego?

Im Prinzip nichts anders als diese Trennung der Welt in Innen und Aussen. Ich und die Anderen.
Und die Aufhebung des Egos besteht darin, zu erkennen, dass alles Ich ist:
Ich UND die Anderen.

Indem ich zu Dir spreche, lieber Leser, spreche ich zu mir selbst.
Und indem Du dies liest, kommunizierst Du nur mit DEINER Projektion von mir. Das heisst Du sprichst nur zu Dir selbst.


Wenn man also erkannt hat, dass man ALLES ist, was die eigenen Welt umfasst, so bedeutet das auch Verantwortung für ALLES.

Ich selbst bin es also, der mich selbst in dieser Form erschaffen und der meine Umwelt gestaltet hat.

Ich bin wieder der Schöpfer meiner Welt.

Und wahrscheinlich werde ich erkennen, dass ich über einen Teil davon die Kontrolle verloren habe.

Nebenbei gesagt:
Der Begriff "Kontrolle" hat einen negativen Beigeschmack. Aber hier ist nicht Kontrolle über andere gemeint, sondern Kontrolle über die eigene Welt. So wäre man z.B. schlecht dran, wenn man die Kontrolle über den eigenen Körper verlieren würde. Kontrolle über sich ist also durchaus wünschenswert. Und wenn die eigene Welt über den Körper hinaus, auf Gedanken und eigene Umwelt ausgedehnt wird, dann gilt das auch für diese.

Es ist der Teil den ich einmal gewollt, später aber zurückgewiesen habe. Bildlich gesprochen habe ich mir einmal eine Speise vom Kosmischen Bestellservice bestellt, dann meine Meinung geändert und danach als die Speise kam, habe ich diese zurückgewiesen.

Und nun habe ich Probleme, weil mir die Speise immer wieder gegen meinen Willen erneut angeboten wird, solange bis ich sie angenommen und verzehrt habe.

Je intensiver das Bestellung und je intensiver die Zurückweisung, desto mehr Bedeutung und damit Masse bekommt dieses Problem.

Und je mehr es solche Probleme gibt, desto "massiger" wird der Mensch.

Die Probleme verselbständigen sich. Die bewusste Kontrolle über die eigene Welt geht dann mehr und mehr verloren. Die Verantwortung für Unerwünschtes wird mehr und mehr in die Aussenwelt verlagert. Dann habe nicht mehr ich das Negative erschaffen, sondern es waren die bösen Nachbarn, der Teufel, die gesellschaftliche Situation. etc.

In diesem späten Stadium, wo sich so schon eine ungeheure Menge an ungelösten Problemen angesammelt hat, stimmt das zum Teil sogar.

Da ich nicht mehr erkennen kann, dass diese Aussenwelt meine Kreation ist habe ich tatsächlich keinen Einfluss mehr darauf. Und da der Verstand für alles einen Verursacher braucht ist es eben diese Aussenwelt, die an der Misere schuld ist.

Da ich doch nicht zulassen kann, dass mir all das Negativde angetan wird beginnt ein Kampf zwischen mir und der Aussenwelt, der Kampf ums Überleben. Das verstärkt die Trennung zwischen Innen und Aussen und damit das Ego. Das Ego will Sicherheit die nur durch mehr Macht und Einfluss nach Aussen hin erreicht werden kann. Die Aussenwelt wird in Freunde und Feinde eingeteilt, eine erneute Polarisation findet statt. Und so verschärfen sich die Probleme bis zur Unerträglichkeit, bis die Not-wendigkeit möglicherweise beginnt die Not zu wenden indem man beginnt nach den wahren Ursachen zu suchen. Nämlich:

Die falsche Annahme, dass dieser Traum den man träumt nicht von einem selber kreiert wurde.
Daraus folgend: Die Trennung der eigenen Kreation in Innen und Aussen.
Daraus folgend: Die Ablehnung der Verantwortung für die Aussenwelt.
Daraus folgend: Der Überlebenskampf in dieser Aussenwelt.

Die Bereiche die man als Aussenwelt erlebt, können dem Ich näher oder ferner sein. Was nahe ist erscheint wichtiger, bekommt mehr Bedeutung und sammelt so auch mehr Masse an, falls es Probleme gibt. Das dem Ego am nächsten ist, ist der Körper. Gesundheit kann so zur wichigsten Sache werden. Etwas ferner ist dann die menschliche Umgebung, Familie, Kollegen, Beziehungen etc. Noch ferner und deswegen etwas weniger wichtiger scheint die Gesellschaft zu sein in der man lebt. Kriege, Hungersnöte in fernen Ländern scheinen die wenigste Wichtigkeit zu besitzen und machen so die wenigsten Probleme in der eigenen Realität.

Wenn man nun Probleme in obigen Bereichen erkennen kann, so sind das Probleme in der eigenen Kreation. Ferner liegende Probleme sind symbolhaft für tiefer liegende Schwierigkeiten in der eigenen Welt. Im Laufe des Lebens passiert es oft, dass die ungelösten Schwierigkeiten einem "auf den Leib rücken", d.h. immer näher kommen, bis sie zuletzt den Körper betreffen und sich als Krankheit manifestieren.

Es gilt also alles Bestehende in das Eigene zu integrieren. Alles was man ablehnt schafft eine Grenze (einerseits das Erwünschte/Gute andererseits das Unerwünschte/Schlechte). Ohne Ablehnung, grenzenlos zu sein aber heisst alles (für einem) Existierende zu wertschätzen, zu verstehen, zu lieben.