Eine Zusammenfassung von Gotamos Prinzip in heutiger Sprache

Die Person und ihr Weg

Gotamo Siddharto, ein ortsansässiger Prinz in Indien vor 2500 Jahren beschloss, nachdem er die meisten der vielen zu seiner Zeit unterrichteten spirituellen und physischen Übungen durchlaufen hatte, eine vollkommen andere Methode zu probieren. Und schiesslich gelang es ihm, vom Traum des Lebens zu einem Zustand außerhalb dieses Universums zu erwachen.

Anfangs wollte er seine Einsichten nicht mit anderen teilen, weil die Wahrheit, wie er sie wahrnahm - obwohl sehr grundlegend und einfach - auch ausgesprochen feinsinnig war, was es schwer machte, andere darin zu unterrichten.

Doch überzeugte ihn schließlich jemand, dass es tatsächlich einige wenige Menschen geben würde, die bereit und fähig sein würden, das, was er zu sagen hatte, zu verstehen. Um dieser wenigen willen fing er an zu unterrichten und machte dies die nächsten vierzig bis fünfzig Jahre, bis zum Ende seines physischen Körpers.

Die spezielle Methode von Gotamo

Gotamo bestand auf der Existenz eines "Zustands", der vom System dieses Universums grundlegend unabhängig ist. Da Bezeichnungen oder Beschilderungen nur Phänomenen zugewiesen werden können, die innerhalb eines Systems vorhanden sind, kann es für diesen Zustand notwendigerweise keinen Namen geben. Und ihn sogar als einen "Zustand" zu klassifizieren ist darum, streng genommen, nicht korrekt. Ebenso kann jemand, der in der Lage ist, diesen "Zustand" zu erreichen, auch nicht bezeichnet oder benannt werden.

Der einzig mögliche Zugang zu diesem "Zustand" ist ein indirekter Weg. Darum lehrte Gotamo auf ausschließende Art zu denken, anstatt in der üblichen Weise, nämlich in Identitäten.

Zum Beispiel ist die Selbst-Kontemplation notwendigerweise ein identifizierender und selbst-reflexiver Weg des Denkens, der unmöglich zu einem Weg hinaus führen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Da das Denken in Identitäten genau der Zustand ist, der Wesen in erster Linie in diesem Universum festhält, VERSTÄRKT selbst-reflexives Denken die Bindung, die eine Person davon abhält, wählen zu können, sich von dieser Welt zurückzuziehen.

Die vier speziellen Wahrheiten

Alles was Gotamo sagte, muss im Zusammenhang mit diesem speziellen Weg gesehen werden, der grundlegend anders war (und immer noch ist) als andere philosophische oder religiöse Wege.

Er fasst seine Botschaft als "Vier spezielle Wahrheiten" zusammen:

1. Die Wahrheit, dass es einen "Zustand" außerhalb dieses Universums gibt, und dass alles, was wahrgenommen werden kann, "nicht-dieser-Zustand" ist : "Die Wahrheit von dukkha".

2. Die Wahrheit darüber, wie ein Wesen sich entfremdet und in einem Universum gefangen wird. Oder in einer nicht-identifizierenden Beschreibung: die Wahrheit darüber, wie der Zustand von "dukkha" entsteht.

3. Die Wahrheit über den "Weg hinaus", oder wieder in nicht-identifizierenden Worten: "Die Wahrheit über die Lösung von "dukkha".

4. Die Wahrheit, dass es einen Weg zum ‚Weg hinaus' gibt, oder wie man es macht, "dukkha" aufzulösen.

Während Gotamo erkannte, dass es mehrere Wege - als den, den er lehrte - gibt, hielt er die ‚Vier speziellen Wahrheiten' für so grundlegend, dass er forderte, dass sie in jeder anderen Methode enthalten sein müssten.

Aus dieser Sicht sind ‚Die vier speziellen Wahrheiten' von allergrößter Bedeutung und könnten daher als Merkmal für den Wert eines jeden Systems angesehen werden, bei dem es um das Ziel von Befreiung geht.

Das unmittelbare Ziel

Ein charakteristischer Grundzug von Gotamos Unterweisungen ist der deutliche Unterschied zu den meisten anderen angewandten Philosophien oder Religionen, und dass erwartet wird, in ‚diesem' Leben konkrete und endgültige Resultate zu erreichen. Seine Botschaft war: "Komm und sieh selbst! Erreiche Freiheit JETZT UND HIER!"

Dem entsprechend ist ein klar erkennbarer Orientierungspunkt erforderlich, um bestimmen zu können, ob Fortschritt stattfand oder nicht.

Diesen Orientierungspunkt beschrieb Gotamo als "das Eintreten in das Fließen, das zum Zustand außerhalb führt" (Satopanno).

Das Erreichen dieser Ebene war das Ziel, das Gotamo seinen Zuhörern setzte. Es ist der Sprung auf die "Befreiungs-Superschnellstraße".

Er entwarf drei Stufen danach, abhängig von der Geschwindigkeit, mit der das letzte Ziel, vollkommene Befreiung zu erreichen, erwartet werden kann. Da aber das Erreichen der Stufe eines ‚Satopanno' eine genau festgelegte Stufe ist, von der eine Person nicht mehr in eine anhaltende Täuschung zurückfallen kann, sind die oberen drei Stufen mehr als Aufzeichnung anzusehen und nicht als Ziele in sich selbst.

Der Grund, warum ein ‚Satopanno' nicht mehr in Täuschung zurücksinken kann ist, dass das Erreichen dieser Stufe auf dem Überschreiten der Schwelle des Verständnisses von der Welt als Nicht-Selbst-Charakter basiert, was es praktisch unmöglich macht, dass der ‚Satopanno' jemals wieder zurücksinken kann, in Identitäten zu denken.

Diese Stufe und die anderen Stufen können erreicht werden, ohne dass die Person sich dessen schon bewusst ist. Gotamo fügte deshalb jeder der vier Stufen eine Einführungsstufe hinzu. In dieser Klassifizierung von acht Stufen ist die zweite Stufe offensichtlich diejenige, die erreicht werden sollte, weil sie das volle Bewusstsein und die Gewissheit vom Erreichen der ersten Stufe mit einschließt.

Noch einmal:
Zu erkennen, dass die Welt nicht-selbst ist - in anderen Worten, bewusste, unterbewusste und überbewusste Identitäten aufzulösen ist der Beginn eines Prozesses, der das "Eintreten in das Fließen" hervorbringen wird.

Es gibt zwei grundlegende Wege nach dort: den intellektuellen und den intuitiven. Nur bei ersterem ist sicher, dass er für jeden funktioniert, laut Gotamo. Letzterer, der Weg der Meditation, hängt von den Fähigkeiten des Individuums ab und beinhaltet außerdem die große Gefahr, irregeführt zu werden aufgrund der Vielzahl und Fremdartigkeit von Wahrnehmungen, denen man ausgesetzt sein kann, wenn man diesen Weg geht.

In der Praxis wird der Weg eines Individuums eine Kombination von unmittelbarer Einsicht und begreifendem, schlussfolgerndem Denken sein. Dieses wird durch Gotamos Beobachtungen veranschaulicht, dass beide Fähigkeiten einer Person auf der vierten, ihren Höhepunkt erreichen.

Da sich jedes Individuum von jedem anderen Individuum unterscheidet wird jeder Weg notwendigerweise einmalig sein.

Das Ziel des "Eintretens in das Fließen" kann von jedem erreicht werden. Und es kann hier und jetzt verwirklicht werden, welche Umstände auch immer jetzt gerade im Leben sein mögen.

Es gibt nur einen einzigen Grund, der einen Menschen beim "Eintreten in das Fließen" hindern kann:

Zu glauben, dass ein äußerer Umstand oder jemand anderer als man selbst zur eigenen Befreiung führen könnte.

Es sollte angemerkt werden, dass das "Eintreten in das Fließen" bedeutet, die Fähigkeit zu erreichen, frei entscheiden zu können. Es geht ganz sicher nicht um die Ablehnung vom Leben und von Lebensumständen. Ablehnung und Unterdrückung fügen neue Schichten den ursprünglichen Bindungen hinzu, ohne die zugrunde liegende Situation zu lösen.

Die Freiheit der Wahl ist die wertvollste Fähigkeit, die ein menschliches Wesen hat. Tiere und Wesen ohne Körper können diese Fähigkeit während ihrer jeweiligen Lebenszeit nicht entwickeln. Das "Eintreten in das Fließen" ist für jeden offen, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Alter, Besitztum, Gesundheit und sogar Ausbildung.

Was geschah mit Gotamos Unterweisungen?

Der Kern von Gotamos "sehr speziellen, feinsinnigen" Unterweisungen ist das strikte Vermeiden des "Denkens in Identitäten".

Das Denken in Identitäten, das in erster Linie die Wurzel von Täuschung ist, ist so tief in das menschliche Denken eingegraben, dass Gotamos eigene Vorhersage darin bestand, dass die speziellen Charakteristiken seines Lehrens "...nicht mehr als fünfhundert Jahre bestehen würden, wenn überhaupt so lange ...", bevor sie verloren gehen würden.

Nicht lange nachdem Gotamos Körper aufhörte zu funktionieren begannen seine Anhänger tatsächlich wieder in Identitäten zu denken. Anstatt seinen ausdrücklichen Wunsch zu respektieren, nicht in irgendeiner identifizierenden Art von ihm zu denken, wurde er bald als "Suddho" (jemand, der sicher ist) und später dann als "Buddho" bezeichnet.

Ein paar Jahrhunderte später wurden die ersten "Buddha"-Statuen errichtet, die die letzte Vernichtung der ursprünglichen und speziellen Merkmale seiner Lehre auf eine Art und Weise kennzeichneten, die dramatischer und aufschlussreicher nicht sein konnte.

Wohin gehen von hier aus . . .

Gotamo beschränkte sich darauf, nur die grundlegendsten Prinzipien zu lehren. Er lehnte den Gebrauch der gebildeten Sanskritsprache ab und benutzte den örtlichen Dialekt, der vom einfachen Volk verstanden wurde. Die direkte Folge seiner grundlegenden Methode - zu vermeiden, in Identitäten zu denken - war, dass er Beispiele aus dem täglichen Leben benutzte, anstatt kodifizierte Erklärungen abzugeben.

Die ursprünglichen Berichte seiner Dialoge, die einige Jahre nach seinem körperlichen Tod gegen seinen Willen zusammengestellt wurden, sind in den Büchern des sogenannten "Pali Canon" erhalten geblieben, der im Internet und auf CD-ROM zur Verfügung steht. Hier gibt es eine Fülle von Beispielen und praktischen Anwendungen. Es gibt jedoch nur einige wenige Übersetzungen, denen es allerdings allen an einzigartigen philosophischen Konzepten mangelt - besonders die spezielle Methode von Gotamo.

Heutzutage gibt es jedoch viele Publikationen über moderne Philosophien und Technologien, die sich mit Verstand und Seele beschäftigen. Viele von ihnen sind Kopien oder Variationen von uralten Technologien. Doch einige davon erscheinen recht einzigartig und neu zu sein. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht benutzt werden sollten, wenn sie in Reichweite sind.

Ob nun praktische Anwendungen und Techniken von Pali-Quellen kommen oder von modernen Methoden - sie können überprüft werden, ob sie mit Gotamos Prinzipien übereinstimmen.

Die Frage ob "nicht-identisches Denken vorliegt", ist manchmal schwer zu beantworten. Von den zentralen Prinzipien ausgehend können jedoch Texte entwickelt werden, die leicht anwendbar sind.

Um einige zu nennen:

/ Werden Identitäten erschaffen/bestätigt oder werden sie aufgelöst?
/ Wird die Reichweite von Wahrnehmungen zunehmend erweitert oder mehr verringert?
/ Wächst funktionelles Verstehen oder werden dogmatische Behauptungen etabliert?
/ Sind Rituale im Prozess enthalten?
/ Wird die Unabhängigkeit des Wahrheitssuchers betont oder gibt es Abhängigkeit von Personen oder Objekten?
/ Sind irgendwelche Glaubenssysteme damit verbunden?
/ Gibt es bestimmte zu erreichende Stufen oder werden Ziele unspezifiziert gelassen?
/ Gibt es irgendwelche Spuren von zwei-wertigem (schwarz-weiß) Denken?
/ Werden die Resultate unmittelbar erwartet oder wird behauptet, dass sie erst in einem zukünftigen Leben erreicht werden können?

usw. (eine detailliertere Auflistung wird Teil des Buches sein)

Von einer Technik oder einer Methode, die oben genannte Tests besteht, kann erwartet werden, dass sie zum Ziel vollkommener Befreiung führt.

Jede solche Vorgehensweise und Einsicht kann erwartungsgemäß äußerst förderlich für das Wohlergehen der Person sein, die dieses macht - egal, ob die Person mit Gotamos ultimativem Ziel übereinstimmt oder nicht.

Das macht Gotamos Prinzipien zu einem unschätzbaren Werkzeug für jedermann und auf jeder Stufe spirituellen Wachsens.

Aus "The little purple Notebook
von Maximilian Sandor