Ohne Halt sein

Hier wieder eine neue Mail und meine Gedanken dazu

Meine Kommentare in Rot und zwischen Doppelklammern.((...))

NN schreibt:

Ich lese mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur "Suche nach dem Wunderbaren", denn schon seit Jahren befasse ich mich mit derartigen Fragen.

((Schön))

Ausgangspunkt war für mich das Buch von Alan Watts "Die Illusion des Ichs". Im letzten Jahr habe ich mich intensiv mit Advaita auseinander gesetzt und bin ein bischen in der Satsang-Szene "herumgeturnt".

In letzter Konsequenz kann es - auch in Fortsetzung Ihrer Ausführungen - auch uns nicht geben, d.h. DU bist ICH und ICH bin DU.

(( Ja, schon. Wir sind alle Eins. Aber wir haben nun mal dieses Ego. Es zu verleugnen drückt es nur ins Unbewusste und macht es so stärker. Also bleibt nur das Ego unter Kontrolle zu bringen.
Das geschieht nicht mit WillensKRAFT d.h. Energie sondern mit Einsicht in seine Funktionsweise.
Um die Einsicht zu bekommen muss man seine Absicht darauf richten zu verstehen wer man ist, wie man (Es das Ego) funktioniert.
(Absicht ist zwar auch "Wille" aber nicht "WillensKRAFT".)

Die Einsicht/Bewusstheit führt dann allmählich dazu zu erkennen, das DU auch ICH ist, aber das löst einem nicht auf.
Es gibt mich weiterhin - nur in einer erweiterten Form. So sehe ich es jedenfalls.))

Wir sind alle virtuelle Abbildungen eines einzigen Seeleninhaltes. Watts hat das zu Beginn seines Buches in Form einer "Kindergeschichte" ausgedrückt und schreibt darin, dass Gott in allen Formen nur Verstecken mit sich selbst spielt. Und weil er Gott ist, spielt er das Spiel so gut, dass er manchmal "vergisst", dass er selbst es ist, hinter dem er sich versteckt. Usw. Usw.

((Ja, wir sind unserem Wesen nach wie Gott. Bibel: "Und Gott schuf den Menschen sich zum Bilde".
Es ist zu menschlich gedacht zu schlussfolgern, weil wir einen Körper haben, habe auch Gott einen Körper. Und Gott habe demnach unseren Körper nach seinem Körper geformt.
Umgekehrt ist es richtig: Gott hat unbegrenzete Kreations- und Schöpferkraft. Also haben wir das auch. Jeder erschafft sich seinen eigenen Kosmos, lebt in seiner eigenen Realität. Was du entscheidest wird zur Realität für dich.

Aber um nicht in die Irre zu gehen solltest du zuerst erkennen wer du bist und - wer du nicht bist -.

Eine dieser früheren Entscheidungen war wohl dieses Versteckenspiel.
Wir spielen dieses Versteckenspiel mit uns seit Äonen.
Lies mal von Walsh: Gespräche mit Gott. ISBN 3-442-30737-6))

Ich sehe es auch so, allerdings habe ich durch diese Idee völlig den Boden unter den Füßen verloren. Das, was ich für gesichertes Wissen hielt (absurd, überhaupt etwas für "gesichert" zu halten!), ist mir vollkommen abhanden gekommen.

((Gut. Das ist ein Zeichen, dafür, dass die alten Überzeugungen ihren Einfluss verloren haben. Das Kücken muss die Schale durchpicken in der es gross geworden ist.

Und was genau an "gesichertem" Wissen ist abhanden gekommen? Mach eine Liste, Überzeugung für Überzeugung die abhanden kam. Wenn du willst schick mir diese Liste.

Dann gilt es ein Ziel zu finden. Was willst du? Was liebst du? Für was wärst du bereit Zeit, Geld, Energie aufzuwenden, ohne das es dich reut? Hat man ein Ziel orientieren sich alle Dinge daran, aber es sollte DEIN Ziel sein.

Lass dir sich Zeit dafür (Tage, Wochen, Monate), aber vergiss nicht was du tun wolltest.

Gesichertes Wissen gibt es nicht, da alles Wissen/alle Daten aus Prämissen/Stabilen Daten/Evidenzen abgeleitet sind. Und diese Prämissen sind GEWOLLT.
Das heisst, weil ich etwas will setze ich mir eine Prämisse (oder übernehme eine geeignete aus meiner Umgebung, wissentlich oder unwissentlich) und erlebe dann die gedanklichen Schlussfolgerungen daraus, und aus denen formt sich dann meine äussere Realität.

Man sollte also nicht nach gesichertem Wissen suchen, sondern sich Ziele setzen - das was man liebt - und dann nach den Vorstellungen/Gedanken suchen, die zur Verwirklichung dieser Ziele geeignet erscheinen.

Versteh, hier ist alles umgedreht, auf den Kopf gestellt. Man geht von einer gegebenen Realität aus der man sich mehr oder weniger anzupassen hat. Aber wer hat diese Realität erschaffen?
Jeder einzelne für sich ist der Erschaffer seiner Realität (Innen UND Aussen). Und der grundlegende Fehler ist, sich selber nicht mehr als der Erschaffer zu sehen. Das ist das was wir vergessen haben. Und man erschafft durch Absicht, durch Liebe zu einem Ziel. Wenn man noch keines hat dann setzt man sich eines, weil man das so will.

DU bist der Verursacher. Punkt.

Und du bist immer noch der Erschaffer deiner Realität. Du kannst nichts anders sein. Aber jetzt erschaffst du zwanghaft, unbewusst, nicht deinen Wünschen gemäss.

Wenn ein Wesen seine Realität seinen Vorstellungen/Betrachtungen/Absichten gemäss gestalten kann und es beschliesst, dass es einen Teil davon nicht mehr haben/erleben will, stellt es diesen nach Aussen, als Nicht-Ich heraus. Dadurch aber verliert es seine Fähigkeit auf diesen Teil einwirken und ihn gestalten zu können.

Wenn es dann zusätzlich der Meinung ist, dass dieser äussere Teil objektiv, d.h. unabhängig von ihm existiert ist die Falle perfekt.

Das Lied der Manipulateure lautet immer "Du kannst nicht kreieren", kauf unsere Produkte.

Das Heilmittel kann also nur sein diese "schlechten/bösen/unerwünschten" Teile (der "Schatten" nach C.G.Jung) wieder zu integrieren. Auch sie sind Ich, meine Kreation. Dann wird man wieder ganz in einer un-ganzen Welt.

Mit selbst gewählten geeigneten Vorstellungen "macht man sich nicht etwas vor", hat den Kopf nicht in lauter Illusionen etc. sondern übt nur die eigene ursprüngliche Schöpferkraft aus. Die ist allerdings meistens etwas eingerostet, schwer zugänglich. Macht aber nichts, wenn man es sanft und beharrlich will.

Dabei nun melden sich plötzlich die Hindernisse, die einem bisher klein gehalten haben. Auf einmal merkt man, dass man eigentlich sehr gebunden ist. (Nicht wirklich TUN kann). Nun gilt es diese Gebundenheit bewusst zu machen und als Teil des bisherigen illusionären Wesens anzunehmen. D.h. zu erkennen, jawohl das bin ich auch, das ist auch MEINE Kreation. Ich habe diese Schwierigkeiten gewollt. Da ist keine äussere Ursache, sondern diese Schwierigkeiten sind nur Projektionen meiner begrenzenden Vorstellungen die ich im Aussen, in der Welt jetzt erlebe, weil ich sie nicht haben wollte.

Aber jetzt, wo ich das erkannt habe, mich als Verursacher sehe, mich annehmen und lieben kann wie ich bin, erkenne ich auch, dass ich sie genau deswegen als ihr Verursacher auch wieder auflösen kann.. Ich erlebe sie noch einmal in aller Intensität und entscheide dann sie nicht mehr haben zu wollen.

Das liest sich leicht, kann aber oft ein mühevoller Prozess sein, der anfangs nur geringe Wirkung zeigt. Aber wenn man erkannt hat - ich meine wirklich erkannt hat - dass es nichts Wichtigeres zu tun gibt, dann hat man auch die sanfte und beharrliche Kraft es zu tun.

Das Ego und die Welt (die eigene Realität) die es erschafft ist eine Illusion, eine Traumwelt. Diese eigene Realität oder Teile davon (Ego) nicht wahrhaben zu wollen verstärkt nur die Identifikation mit ihr. Wenn man im Streit mit sich selber liegt (Widerstreit von Postulat gegen Postulat, Absicht gegen Absicht, Überzeugung gegen Überzeugung) dann kann man den Traum nicht gestalten wie man möchte, kann man ihm nicht möglicherweise sogar entrinnen, wie es die Gnosis verspricht (Statik).....))

Ich kann nur noch sagen (wie es bereits jemand anderes formulierte): Ich weiß, dass ich nichts weiss.

(( Ich weiss ebenfalls, dass ich nichts weiss. Das stört mich aber recht wenig.
Das hält mich nicht davon ab mit meinen Mutmassungen zu arbeiten. Schliesslich haben wir nichts anders.

Es gibt doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder dieses ganze Lebensspiel das wir da treiben ist völlig sinnlos. Nun dann schadet es nicht, einen Sinn darin zu sehen. Dies führt auf jedenfall zu einem sinnvollerem und deswegen glücklicheren Leben.
Oder es gibt einen Sinn, und wir sind die Götter die vergessen haben wer sie sind. Dann wäre es doch schade wenn man sich nicht bemühen würde wieder aus diesem Vergessenspiel herauszukommen, oder nicht?.))

Kennen Sie das?
Macht es Sie verrückt oder gibt es Ihnen Frieden?

((Ich finde es schön Grenzen zu sprengen, neue Möglichkeiten zu erkunden. Manchmal kann es deprimierend sein, wenn man nicht vorwärtskommt, aber was wäre die Alternative: Die Jagd nach vorübergehenden Freuden oder ein banales Leben und Furcht vor dessen Ende.))

Was wissen Sie übrigens über das Lectorium Rosicrucianum?

((Ich war vor vielen Jahren dort Schüler. Konnte mich damals aber nicht mit ihrer pessimisten Sicht dieser Welt befreunden. Damals war die Welt noch "gut" in meinen Augen, wenn auch mit Fehlern behaftet. Heute sehe ich das anders. Würde heute aber kaum irgendeiner Vereinigung beitreten. Was das LC heute ist weiss ich nicht. Aber die Idee die der Gnosis zugrundeliegt gefällt mir. Vielleicht schreibe ich mal einen ausführlichen Artikel darüber.))

Ich würde mich über eine Resonanz freuen.
Mit freundlichen Grüßen NN