Die geglaubte Welt.

Stell dir vor, du liegst frühmorgens im Bett und du überlegst dir was hinter der Tür deines Zimmers liegt.

Du denkst du weisst es? Weisst du es oder glaubst du es zu wissen?

(Ich will jetzt nicht die Begriffe Wissen und Glauben durcheinander bringen, sondern dein Denken etwas auflockern )

Eigentlich kannst du es nur glauben, schliesslich könnte ja etwas gänzlich Unvorhergesehenes passiert sein. Aber du vertraust auf die Kontinuität der Dinge und glaubst es zu wissen.

Aber dann weiten sich deine Gedanken aus und du überlegst dir, dass auch der Stuhl in deinem Blickfeld, nur ein Stuhl ist von dem du glaubst zu wissen, dass er da ist.
Du glaubst, dass er das ist was du denkst, das er ist.

Das überraschende Ergebnis ist, dass du von allen Objekten nur glaubst zu wissen - was du über sie weisst.

Aber du willst wissen, was die Dinge sind.
und so glaubst du zu wissen !

Ein Kind löchert seine Mutter mit Fragen über die Welt. Es will wissen warum Hunde vier Beine haben, warum es nachts dunkel ist usw. - kurz was die Welt ist. Es sammelt Wissen.
Die Ausbildung und Lehre in einem Fach ist ein Aneignen von Wissen.
Ein Naturwissenschaftler sucht nach Naturgesetzen, auch er will wissen.
Die Unterhaltung mit der Nachbarin dient dem Austauschen und Sammeln von Wissen:
"Wie hast du den Kuchen gebacken?", "Wo gibt es billige Schuhe?"
Also kann man sagen: Du willst wissen was und wie die Dinge und Verhältnisse sind.

Das Leben kann als ein Sammeln von Erfahrung betrachtet werden.
Erfahrung ist aber nichts anderes als Wissen darüber wie etwas ist.

Du willst wissen.

Nun aber hat Wissen zwei Seiten. Einerseits gibt es Sicherheit.
Der erfahrene Lehrling weiss wie er ein Werkstück zu bearbeiten hat. Der Statiker kann genau berechnen wie stark ein Fundament zu sein hat.

Andererseits begrenzt Wissen aber.

Da wir Objekten gewisse "sichere" Eigenschaften zuschreiben (sonst wären es ja keine Objekte, die "objektiv" erst durch allgemeine Übereinstimmung in Bezug auf ihre Existenz werden) ist diese Begrenzung durch Wissen-über-Objekte in der Welt der Objekte nicht so deutlich.

Das Werkstück des Lehrlings verhält sich immer gleich (Obwohl es da auch "zufällige" Ausrutscher geben mag.)

Entscheidend wichtig wird diese Begrenzung durch Wissen aber in der Welt des Subjektiven.

Wir wollen Wissen und bauen unsere Welt mit demjenigen auf, was wir zu wissen glauben.
Ein Kind nimmt jedes Wissen das ihm geboten wird anfangs kritiklos auf, weil es wissen will.

Nun ist Wissen aber ein Produkt - also HABEN. (etwas was man haben kann)
Um etwas zu haben muss man TUN.
Um Wissen zu haben, muss man Wissen haben wollen. (Das Wollen ist das Tun)

Wir sehen hier die Polarität wie sie von TROM erkannt wurde: (Siehe den Artikel über TROM)
Bekannt-machen ---> Wissen

Das Tun ist das Postulat "bekannt-machen" das Haben ist "Wissen". (Oder genauer gesagt "glauben zu wissen", so wie oben erkannt)

Wenn nur die eine Seite dieser Polarität (Haben= Wissen) favorisiert wird ergibt sich ein Ungleichgewicht und eine Degeneration dieses Polarität.
(Siehe dazu den Artikel "Ziele und CDEI").

Man kann diese Polarität auch als Bedeutung (Tun=Wollen) und Masse (Haben=Wissen) benennen.

Wenn die Bedeutung verloren geht, wird alles sinnlos - das Gleichgewicht in der Polarität ist gestört
Masse ohne Bedeutung ist wertlos.
Bedeutung ohne Masse eignet sich nicht für Spiele.

Wir kommen in diese Welt und wollen wissen.
Und je mehr wir wissen, desto fester wird diese Welt.

Der Weg heraus ist die Betonung der anderen Polarität.

Wenn man festes Wissen hat - was war die ursprüngliche Absicht dahinter?

Was war die Bedeutung? Was war das Tun?

Wir wollen glauben, dass wir wissen, denn das verleiht Sicherheit und Stabilität.
Unwissenheit bedeutet Chaos. Es muss feste Gesetze geben. Darin besteht das Spiel des Lebens.

Hinter der Tür meines Zimmers muss eine feste, stabile Welt liegen. Das will ich glauben.

Und weil ich das will geht dieses Postulat in Erfüllung und es ist so.

Wer dieses Lebensspiel - das feste Gesetze braucht - das ich spielen will auflösen will, muss bekämpft werden.

Wer diese meine Sicherheit - in der ich mich mühsam eingerichtet habe - bedroht, muss bekämpft werden.

Tabu!

Und das ist die Begrenzung.
Das ist die Verstandesmatrix.


Jedenfalls glaubt man das und hat Angst die sicheren, geglaubten Überzeugungen zu verlassen.
Denn in Wirklichkeit liegt dahinter die Freiheit.