Liebe und Macht

Es gibt Menschen, die von sich sagen sie hätten soviel Liebe zu geben, aber sie würden immer zurückgewisen. Niemand wolle ihre Liebe haben.

Wenn man hier helfen will, sollte man zuerst völlige Ehrlichkeit des Hilfesuchenden sich selbst gegenüber einfordern. Er sollte bereit sein auch weniger angenehme Eigenschaften bei sich selbst zulassen zu können. Schliesslich sind wir alle die wir hier sind nicht vollkommen, also ist es keine Peinlichkeit oder Schande Fehler einzusehen und zuzugeben.

Niemand ist "schuldig" in dem Sinne, dass er ein schlechter Mensch ist. Und weil es keine Schlechtigkeit in diesem Sinne gibt, gibt es auch nichts zu verbergen. Wenn man dies erkannt hat kann man seine wahren Motive ohne Scheu - zumindest sich selbst gegenüber - offenlegen.

Was es aber sehr wohl gibt sind unbewusste Abhängigkeiten von unerkannten Postulaten, die dann ein vom Wesen selbst unerwünschtes Verhalten duchaus bewirken können. Das Lust-Unlust Gesetz zu verstehen, kann hier eine grosse Hilfe sein. Man kann damit besser erkennen, wie sehr ein unwissender Mensch nicht eigentlich handeln kann wie ER möchte, sondern wie es die Lust-Unlust Gegebenheit seiner fehlerhaften Vorstellungen erzwingt. Eigentlich handelt er nicht selbst sondern lässt sich behandeln , ohne es zu merken.

Wenn man also bei sich bemerkt, dass die Liebe die man bereit ist zu geben häufig zurückgewiesen wird, sollte man sich fragen, was man eigentlich vom Objekt seiner Liebe - also von dem dem man Liebe geben will - erwartet.

Was also sollte das Objekt meiner Liebe tun, wie sollte es sich verhalten, damit ich den Eindruck bekäme meine Liebe würde erwidert?

Das ist eine ganz raffinierte Fangfrage und jede Antwort (ausser einer) die man hier erhielte wäre falsch.

Die einzig richtige Antwort wäre - ich erwarte nicht, garnichts. Ich bin glücklich einfach zu lieben.

Warum? Nun, wenn ich irgendetwas vom Objekt meiner Liebe erwarte, dann Liebe ich nicht wirklich selbstlos, sondern um ein von mir erwünschtes Resultat zu erzielen.

Beispiele:

Ich bereite eine leckere Mahlzeit zu und erwarte Anerkennung für meine Mühe.

Ich ziehe mich schick an und will dafür das Gefühl geniessen begehrt zu werden.

Ich schenke grosszügig und erwarte, dass man mich nicht vergisst.

Wenn du dich nicht so verhältst wie ich möchte, dann liebst du mich nicht.

Nun gilt es zu erkennen, dass obiges Motive nicht "schlecht" oder "berechnend" sind. Dies sind ganz normale kluge Reaktionen im Zusammenleben zwischen Menschen. Es ist z.B. völlig OK Anerkennung gewinnen zu wollen indem man gut kocht.

Problematisch wird es aber, wenn man denkt, dass das Motiv NUR ein liebevolles Verhalten wäre.(Obwohl es das AUCH sein kann.)

Für eine bestimmte Handlung gibt es allermeistens mehrere Motive. So können Motive für gut kochen z.B. sein , Anerkennung zu finden, Neugier auf ein neues Rezept, genau so gut zu kochen wie die Nachbarin, der Familie einen Genuss zu bereiten, u.s.w

Aber immer, wenn man etwas für eigene Leistungen zurückerwartet ist es nicht Liebe im eigentlichen Sinne des Wortes sondern kluges Verhalten. (Und leider gelegentlich auch reines Machtstreben: "Nun habe ich dir soviele Geschenke gemacht, jetzt musst du auch etwas Zeit für mich haben." )

Wenn jemand also das Gefühl hat, dass seine Liebe immer zurückgewiesen wird, so handelt es sich eigentlich nicht um Liebe sondern enttäuschte Erwartung. Man erwartet vom Objekt der Liebe ein bestimmtes Verhalten das dieses nicht zeigt.

Man muss also erkennen, dass man nicht an unerwiderter Liebe leidet, sondern daran, dass man durch das eigene Verhalten nicht die erwünschte Wirkung erzielt.

Wenn man ehrlich genug ist, sich dies einzugestehen, kann man anfangen sich zu überlegen, wie man denn die eigene Wirkung auf andere so ändern könnte, dass man das erhält, was man sich wünscht wie z.B. Anerkennung oder Freundschaft oder Gesellschaft.

ODER ob man das überhaupt benötigt um glücklich zu sein.

Und nur wenn man dem Objekt der Liebe völlige Freiheit in Bezug auf seine Reaktionen gestattet, ohne bei einer Zurückweisung bitter oder enttäuscht zu reagieren, nur dann liebt man wirklich.

Schliesslich scheint die Liebe der Sonne auch, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

Und nochmals:

Niemand ist deswegen "schlecht" oder "schuldig" oder "wertlos" wenn er bei einer Inspektion seine Motive erkennt, dass er oft nicht aus Liebe sondern aus Berechnung gehandelt hat, um eine bestimmte Reaktion zu erhalten.