Das Drehbuch des Lebens.
Eine wahre Geschichte ?

Stell dir vor, du bist ein Mensch der ein ruhiges Leben lebt , dem es an nichts mangelt , abgesehen davon, dass es etwas eintönig zu sein scheint.
Du hast grosse Phantasie und kommst so auf die Idee dich einmal als Dichter zu versuchen.
(dichten kommt von dichtmachen= verwirklichen, realisieren).
Auch möchtest du dir etwas Abwechslung verschaffen und beschliesst deswegen eine Geschichte zu schreiben.

Nun kannst du als Hintergrund dir bereits bekannte Welten verwenden oder ein völlig neues Universum erschaffen, das ganz nach deinen Wünschen gestaltet ist.
Wahrscheinlich wird es aber eine Mischung aus beidem sein. Du wirst also einige Teile kopieren und einige Teile deiner Geschichte neu erfinden.

Du bist aber ehrgeizig und hast viel Phantasie, so beschliesst du den Hintergrund, also das Universum in dem deine Geschichte spielen soll, ganz neu zu gestalten, obwohl du dir vorbehälst eventuell auch bereits bekannte Element zu kopieren.

Wie nun könnte eine ganz neue Grundlage für diese Geschichte, sozusagen ein neues Universum, geschaffen werden?
Du fängst also an Dir Gedanken darüber zu machen:

Planung und Entwurf.

Nun, zuerst solltest du wohl Regeln aufstellen, Gesetze erfinden und für allgemein gültig für dein Universum erklären.
Nur so kannst du Stabilität hineinbringen . (Ohne Regeln und Gesetze welcher Art auch immer ergäbe sich nur Chaos.)
Andererseits dürfen diese Gesetze aber auch nicht zu starr sein, sonst könnte sich nichts bewegen. Es gäbe keine Fortentwicklung und die Geschichte wäre langweilig..

Wenn alles Eins wäre, wenn sich nichts von etwas anderem unterscheiden würde, so wäre dies wohl nicht sehr spannend, also muss du Gegensätze haben, damit sich etwas von seinem Untergrund abheben kann..
Dualitäten mit ihren zwei Polen werden so Bestandteil deines Universums. Je grösser die Spannung zwischen ihnen, desto stärker wird die Polarität, desto stärker das Erleben, das mit dieser Polarität verbunden ist, wenn man nur den einen Pol will, den anderen aber ablehnt..

Apropos langweilig:.
Du bist ein freundlicher, wohlwollender Mensch also denkst du zuerst, auch den Geschöpfen in deiner Geschichte sollte es immer gut gehen. Die Konsequenz wäre es, eine Art von Schlaraffenland zu erfinden. Aber wäre das eine Geschichte bei der man viel erleben könnte?

Gut, du überlegst dir, es wäre schön immer das Beste zu essen, immer nur mit freundlichen, angenehmen Menschen zu tun zu haben. Aber auf die Dauer wäre das wohl zu eintönig. Schliesslich lebst du als Dichter ja gerade dieses etwas langweilige Leben und möchtest dem entrinnen, indem du eine spannende Geschichte erfindest.
Also muss es, in dieser Geschichte auch ein paar Gegenspieler geben, vielleicht solche die Regeln und Gesetze "scheinbar" verletzen dürfen, indem es ihnen erlaubt wird anderen zu schaden oder nur auf ihren Eigennutz zu achten. Andererseits kannst du, um Stabilität zu erreichen und Chaos und Willkür zu vermeiden auch keine dauernden Regelverletzungen zulassen.
Eine schwierige Frage, wie kann man Regelverletzungen zulassen, aber doch auf ihrer Einhaltung bestehen?
Ein Ausweg könnte sein Regelverletzungen eine zeitlang zuzulassen und erst später eine Art von Ausgleich dafür zu verlangen.
Aber zuerst schiebst du diese Frage etwas auf die Seite.

In deiner Geschichte soll es einen Held geben und er soll so sein, dass du dich gut in ihn hineindenken kannst.

Aber die Frage wie man etwas Spannung in die Geschichte bringen könnte lässt dir keine Ruhe.
Du kommst auf die Idee, in deiner Geschichte Spiele zu erfinden. Gegen sich selbst zu spielen wäre wohl nichts, also brauchst du Mitspieler.
Irgendwie müsste man sich mit denen auch verständigen können um gemeinsam spielen zu können. Also brauchst du so etwas wie ein Spielfeld, eine gemeinsame Realität. Die wiederum könnte aus gemeinsamen Erleben bestehen. Etwa das Aufwachsen in einer gemeinsamen Umgebung. Also ist ein Spielfeld das allen gemeinsam ist, notwendig. Nicht nur meine Welt ist zu erfinden, sondern auch die Welt der anderen. Nicht aller anderen, die es geben mag oder nicht, sondern nur die der anderen, die mit mir ein Spiel haben wollen oder bereit sind Statistenrolle zu übernehmen..

Was tut der Held in dieser Geschichte? Nun er hat eine Aufgabe, ein Ziel das es zu erreichen gibt - gegen manche Hindernisse ankämpfend. Ein Ziel ist aber schon eine Polarität. Den um ein Ziel zu haben, muss ich es zuerst nicht haben. Ich muss einen Mangel empfinden um diesen beheben zu können.

Identifikation und Eintauchen

Nachdem er, der Dichter und Erschaffer dieser Welt, also eine solche Geschichte erfunden hat, die in der neu erfundenen zweiten Welt spielt, nachdem er immer mehr Einzelheiten erfunden hat und ihm das alles so wichtig geworden ist, wird er immer stärker fasziniert davon. So wird er er allmählich mehr und mehr in seine Geschichte hineingesogen.
Sein Focus der Aufmerksamkeit verschiebt sich, so dass er die Welt in der er begonnen hat, diese Geschichte zu schreiben vergisst, und nur noch in der erfundenen Welt lebt.
So identifiziert er sich immer mehr mit dem Helden seiner Geschichte.
Die erste Welt mag real sein oder auch nicht, die zweite existiert mit Sicherheit nur in seinem Bewusstsein. Da er sich aber so mit ihr identifiziert hat, kann er dies nicht mehr erkennen. Nun ist er völlig den Regeln und Gesetzen die er selber erfunden (oder kopiert) hat, unterworfen.

Seine Regelverstösse und Gesetzesübertretungen häufen sich im Laufe langer Zeiten an und damit die Folgen, und so entsteht eine zunehmende Verstrickung und weitere Abhängigkeit davon.
Zu dem einen Spiel kommen viele andere Spiele. Spiele werden nicht immer beendet, die unbeendeten Spiele häufen sich an und sorgen für weitere Verwirrung.

Bis hierher schrieb der Dichter nur eine Geschichte, reine Fiktion und Phantasie, aber jetzt kommen ihm Zweifel? Bin ich vielleicht nicht selbst schon in einer zweiten Welt obwohl ich denke der Dichter in der ersten Welt zu sein, der nur eine Geschichte schreibt?
Von welchem Standpunkt aus schreibe ich also diese Geschichte?
Sollte ich mir vielleicht überlegen wie eine Rückkehr möglich wäre, falls diese erste Welt eben keine Geschichte wäre?

Ferner, wenn meine zweite erdichtete Welt nur in meinem Bewusstsein existiert, könnte es dann sein, dass meine erste Welt - die mir so real erscheint - nicht auch nur in meinem Bewusstsein existiert?

Rückkehr

Wie nun kann er wieder herauskommen?

1. Indem er wieder erkennt, dass er selbst derjenige ist, der diese Welt geschrieben hat.
Eine Möglichkeit wäre zu erkennen, dass die Welt in die er sich hineingedacht hat - indem er den Focus seiner Aufmerksamkeit völlig nur darauf richtete - ja nur in seinem Bewussein existiert. Dazu müsste er also eine Art von "reverse-engeneering", also eine Rückübersetzung der vorhandenen Programme (und ihrer Erscheinungsformen) in die ursprüngliche Absichten und Ziele betreiben.

2. Da er jetzt in zwei Welten lebt - der Welt in der er diese Welt schrieb und der Welt in die er hineingegangen ist - hat er auch zwei Persönlichkeiten, zwei Focusi der Aufmerksamkeit.
Wenn nun in der Welt in die er hineingegangen ist, plötzlich eine Erscheinung seiner ersten Persönlichkeit in Erscheinung treten würde, so könnte ihn die Vereinigung mit dieser ersten Persönlichkeit wieder zu Erkenntnis dessen bringen was er wirklich ist.
Nämlich, dass er der Schreiber ist, der diese Welt in der er lebt, selber geschrieben hat.
Die Erscheinung der ersten Persönlichkeit würde er dann in seiner Geschichte als "Höheres Selbst", "Gott", "Engel", "Seelenführer", etc. bezeichnen.
Nur, von seiner Position aus, in der zweiten Welt, hat er keine Möglichkeit auf sich selbst in der ersten Welt einzuwirken.
Von seiner Position würde ihm eine solche Hilfe als Gnade, Fügung etc. erscheinen.

3. Eine dritte Möglichkeit wäre es eben an das Ende der geschriebenen Geschichte zu kommen. Jedes Buch hat eine letzte Seite und danach wäre er wieder in seiner ersten Welt. Aber könnte dies wirklich so funktionieren?
Unser Dichter ist wirklich sehr gründlich im Erschaffen der Grundlagen seiner Geschichte. Er hat so seinem Helden die Möglichkeit gegeben Zeit zu erschaffen, um in dieser Zeit dann etwas erleben zu können. Solange er etwas erleben will, erschafft er sich Zeit. Will er aber je aufhören etwas zu erleben?
Wenn nein, käme er so nie an des Ende der Geschichte, die sich quasi verselbständigt hätte.
Wenn ja, so wäre das der eine Pol einer Dualität von "ich will nicht-erleben" gegen "ich will erleben".
Je mehr er den einen Pol verstärkt desto mehr Ladung bekäme der andere Pol. Auch so könnte er auf Grund der zunehmenden Spannung nicht an ein Ende kommen
Die einzige Möglichkeit die ihm verbleibt wäre es, die beiden Pole zusammenzubringen, etwa indem er alles was er erlebt liebt, akzeptiert, voll annimmt, gleichzeitig aber nicht-erleben will. Wenn ihm das auf längere Zeit gelänge, könnte dies eine Möglichkeit sein, um an das Ende der Geschichte zu kommen.

Und wenn diese Geschichte wahr wäre, sollte man sich nicht überlegen, dass es seltsam ist, dass die Welt in der ich lebe letztenendes nur in meinem Bewusstsein existiert ?.
Was ich nicht wahrnehmen kann, mag existieren oder nicht, ich kann es nicht wissen
Ich kann mich zwar auf die Meinungen anderer verlassen, aber auch Gedanken darüber muss ich doch zuerst wahrnehmen

Und wenn diese Geschichte wahr wäre, wie könnte ich erkennen, dass ich der Dichter, der Erschaffer dieser Geschichte bin?